Naturwaldreservat Uaul Prau Nausch

Wo die Natur das Sagen hat

Region:

Surselva, Val Nalps, Gemeinde Tujetsch

Höhe:

1'520 bis 1'850 m.ü.M.

Grösse:

65.6 Hektaren

Gründungsdatum:

1. Januar 2007


Vertragsdauer:

50 Jahre

Besonderheiten:
Der 65.6ha umfassende Uaul Prau Nausch wird seit Anfang 2007 nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. Das Waldreservat soll Heimat für seltene Tier- und Pflanzenarten bieten und als Anschauungsobjekt dienen, an dem die natürliche Entwicklung von Gebirgswäldern beobachtet und erforscht werden kann.
Den Bewohnern und Besuchern der Region soll das Waldreservat einen einzigartigen Erholungsraum und interessante Einblicke in das Waldleben bieten.

Pro Natura Engagement:
Pro Natura Graubünden ist Vertragspartner im Dienstbarkeitsvertrag mit der Gemeinde Tujetsch. Zudem hat Pro Natura Graubünden das Informationsangebot (Infotafeln und Flyer) mitfinanziert.

Schutzstatus:

Naturwaldreservat auf kommunaler Ebene unter Mitwirkung von Pro Natura und dem Kanton Graubünden.

Verhalten im Schutzgebiet:

  • Keine Bäume fällen, kein Holz sammeln
  • Keine Beweidung
  • Bitte benutzen Sie die markierten Wanderwege
  • Bitte Hunde an der Leine führen
  • Das Sammeln von Pilzen und Beeren ist erlaubt
  • Die Ausübung der Jagd ist erlaubt

 

Günstigste Besuchszeit:

Frühling, Sommer und Herbst


Anreise:

Mit der Rhätischen Bahn bis Sedrun.

Zugang:
Das Waldreservat befindet sich in der Val Nalps und verfügt über zwei Eingänge: Sut Seivs (Pkt. 1644) und Stavel sut il
Tgom (unterhalb Pkt. 1913).


Folgende Wanderrouten führen Sie zu den beiden Eingängen:

  • Von Sedrun: Über Plaun dil Lai – Uaul Surrein aufsteigend nach Sut Seivs oder über Surrein – Canadal nach Sut Seivs (beide Routen 1.5 Stunden)
  • Von Sedrun mit der Luftseilbahn bis Stavel sut il Tgom –
    Abstieg ins Waldreservat (0.5 Stunden)
  • Von der Val Nalps: Von Pardatsch da Stiarls aufsteigend
    über Plaun Palits bis Stavel sut il Tgom – Abstieg ins Waldreservat (1 Stunde)

 

Die Zugangsrouten erfolgen auf gut begehbaren und markierten Wanderwegen (Markierung gelb und rot-weiss, T1 bis T2 gemäss Bergwanderskala SAC). Trittsicherheit ist von Vorteil.

Ausrüstung:

Wanderschuhe, bei Bedarf Regenschutz und Feldstecher.

Karten der swisstopo: 1:25 000 Nr. 1212 Amsteg und 1232 Oberalppass oder 1:50 000 Nr. 256 Disentis/Mustér.

 

Informationsangebot
Tafel am Eingang zum Naturwaldreservat
Tafel am Eingang zum Naturwaldreservat

An beiden Eingängen geben Informationstafeln einen Überblick über das Waldreservat Uaul Prau Nausch. Der Prospekt, der bei den Informationstafeln aufliegt, enthält zu jeder der sechs Stationen weiterführende Informationen. Bitte nehmen Sie diesen auf Ihre Wanderung durch das Waldreservat mit.
Im Waldreservat selbst finden Sie den Erlebnispfad «Auf dem Weg zum Urwald» mit sechs markierten Stationen.

Wir wünschen bei der Erkundung des Waldreservats interessante Beobachtungen und viel Spass.

 

Uaul Prau Nausch – ein Urwald?
Zerfall bedeutet Erneuerung, Bild: Rolf Keller
Zerfall bedeutet Erneuerung, Bild: Rolf Keller

«Uaul» ist das romanische Wort für «Wald». «Prau Nausch» steht für «schlechte Wiese». Die Ortsbezeichnung erzählt noch heute davon, dass dieses Waldgebiet früher beweidet wurde. Allerdings muss es sich um eine armselige Weide gehandelt haben, wo nur noch Ziegen etwas zu fressen fanden.


Der Uaul Prau Nausch wurde bis ins Jahr 2003 auch forstwirtschaftlich genutzt. Aufgrund der fehlenden Waldstrasse waren die Holznutzungen aber seit jeher klein und konzentrierten sich auf die Beseitigung von Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen wurden. In den vergangenen 40 Jahren wurden im ganzen Gebiet des Waldreservats im Durchschnitt lediglich 50m3 Holz pro Jahr geschlagen. Der letzte Holzschlag im Jahr 2003 erntete 160m3 Holz, die per Helikopter abtransportiert werden mussten. Früher wurde das Holz mit der Reistmethode aus dem Wald gebracht. Dabei liessen die Waldarbeiter die gefällten Stämme im Winter auf dem Schnee in bestimmten Bahnen ins Tal hinunterrutschen.


Der Uaul Prau Nausch hat eine lange Geschichte der menschlichen Nutzung hinter sich. Einem «Urwald» im engeren Sinne entspricht er darum nicht. Wenn die Nutzung des Waldes langfristig unterbleibt, werden sich in einigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten aber urwaldähnliche Waldbilder beobachten lassen. Der Uaul Prau Nausch ist «auf dem Weg zum Urwald.»