Rothirsch im Winter (c) naturpix.ch

Wildtiere brauchen vor allem Ruhe

12.12.2018

Die Wildtiere in Graubünden sind für den bevorstehenden Winter gut gerüstet. Sie können sich auf die Kälte und das knappe Nahrungsangebot gut einstellen, wenn sie vom Menschen nicht gestört werden. Gut gemeinte Hilfsmassnahmen wie Fütterungen schaden den Tieren mehr, als sie nützen. Das Fütterungsverbot ist deshalb sinnvoll und gilt nach wie vor.

Sechs Verbände und fünf kantonale Amtsstellen spannen zusammen, um die Bevölkerung Graubündens für die Bedürfnisse der Wildtiere zu sensibilisieren. «Der Grüne Tisch Graubünden» ruft die Bevölkerung auf, das kantonale Winter-Fütterungsverbot zu respektieren und Störungen von Tieren in ihren Winterlebensräumen möglichst zu unterlassen. So kann das Wild nach seinen natürlichen Überlebensstrategien überwintern. 

Das im vergangenen Winter erstmals geltende und kontrovers diskutierte Fütterungsverbot sei sinnvoll, sagte Anita Mazzetta, Geschäftsführerin des WWF Graubünden am Mittwoch vor den Medien in Almens (Domleschg). «Wildtiere brauchen vor allem Ruhe», fasste sie zusammen. «Störungen im Winterlebensraum und das Anlocken durch Grünabfall, Futterstellen oder Futter aus der Landwirtschaft treiben alljährlich hunderte von Tieren in die Nähe von Verkehrswegen, wo sie Opfer von Unfällen werden.» 

Hansruedi Andreoli, Hegepräsident des Bündner Kantonalen Patentjäger-Verbandes BKPJV, unterstrich die Bedeutung der Wildruhezonen für das Rotwild. «Hirsche und Rehe stellen im Winter ihre Verdauung um, senken Stoffwechsel, Puls und Körpertemperatur und kommen so mit sehr wenig Futter aus. Das funktioniert aber nur, wenn sie sich in ihren Lebensräumen verteilen können und konsequent in Ruhe gelassen werden. Die Wildruhezonen sind für die Tiere überlebenswichtig.» 

Aufklärung vor Bussen 
Bei der Umsetzung des Winter-Fütterungsverbots setze der Kanton zuerst auf Aufklärung und praktische Hilfe, erläuterte Adrian Arquint, Vorsteher des Amts für Jagd und Fischerei. «Wo wir Futterangebote sehen, sprechen wir mit den Leuten und erklären ihnen die Gründe für das Fütterungsverbot.» Wer Wildtiere danach bewusst weiter füttere, müsse allerdings mit Massnahmen rechnen, die bis zur Busse gehen könnten, unterstrich Arquint. «Das Verbot ist aus wildbiologischer Sicht das einzig sinnvolle Vorgehen.» 

Das kantonale Fütterungsverbot war im vergangenen, harten Winter teilweise harsch kritisiert worden. «Wir verstehen, dass Menschen den Tieren helfen wollen», sagte Arquint. «Aber Fütterungen sind keine grossflächige Hilfe bei viel Schnee und grosser Kälte.» Sollte der kommende Winter wieder hart werden, kann der Kanton punktuell Fütterungen bewilligen. «Diese Fütterungen dürfen nur durch Fachleute durchgeführt werden. Sie dienen einzig dem Zweck, die Tiere in den Lebensräumen zu halten, denn dort können sie mit minimalem Energieverbrauch am besten überleben.» 

Gemeinden und Landwirtschaft gefordert 

Nachdem bereits viele landwirtschaftliche Betriebe «wildtiersicher» gemacht wurden, setzt die Kampagne des «Grünen Tisches» nun bei den Gemeinden und den Betreibern von Grünabfall-Sammelstellen an. «Grünabfall ist für Wildtiere attraktives Futter», erklärte Thomas Bitter, Leiter des Bauamts der Gemeinde Domleschg. «Die Sammelstellen müssen daher durch hohe Zäune abgeschlossen werden.» Auch Gartenabfälle und Komposthaufen von Privaten müssten abgedeckt werden, damit Hirsche und Rehe sie nicht als Futter nutzen. 

Besonders gefordert bei der Umsetzung des Verbots sind landwirtschaftliche Betriebe. «Unsere Bauern haben bereits viel Aufwand betrieben, damit die Wildtiere nicht auf die Höfe kommen, um an das Futter für die Nutztiere zu gelangen», so Martin Renner, Geschäftsführer des Bündner Bauernverbandes. Das Wildfütterungsverbot sei nicht alleine Aufgabe der Landwirtschaft, sondern auch eine gemeinschaftliche Aufgabe für die Gemeinden, Jägerschaft und Private. 

Der Grüne Tisch Graubünden 

Sechs Verbände und fünf kantonale Ämter haben sich im Interesse der Wildtiere und des Waldes zum Gründen Tisch Graubünden zusammengeschlossen: 

  • Bündner Bauernverband: Martin Renner, Geschäftsführer   081 254 20 00
  • Bündner Kantonaler Patentjäger-Verband: Hansruedi Andreoli   077 445 36 96
  • Graubünden Wald: Mario Riatsch, Präsident   079 413 05 66
  • Pro Natura Graubünden: Jacqueline von Arx, Geschäftsführerin   081 252 40 39
  • SELVA Verband der Waldeigentümer Graubünden: Nina Gansner, Geschäftsführerin   081 300 22 44
  • WWF Graubünden: Anita Mazzetta, Geschäftsführerin   076 500 48 18
  • Amt für Landwirtschaft und Geoinformation: Daniel Buschauer, Vorsteher   081 257 24 32
  • Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit: Rolf Hanimann, Vorsteher   081 257 24 15
  • Amt für Natur und Umwelt, Remo Fehr, Vorsteher   081 257 29 46
  • Amt für Wald und Naturgefahren: Reto Hefti, Vorsteher   081 257 38 57
  • Amt für Jagd und Fischerei: Adrian Arquint, Vorsteher   081 257 38 92

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