Gartenschläfer in Lebendfalle

Auf den Spuren des Gartenschläfers

31.10.2022

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) ist als «Tier des Jahres 2022» Botschafter für eine strukturreiche und vielfältige Landschaft und wilde Wälder. Im Projekt «Gartenschläfer - wo bist du?» haben Freiwillige und Schulklassen sich mit dem Gartenschläfer und seinem Lebensraum auseinandergesetzt.

44 Freiwillige und 22 Schulklassen machten sich von Anfang Mai bis Anfang September mit Hilfe von Spurentunneln auf die Suche. Kleinsäuger sind neugierige Tiere und wenn die Spurentunnel geschickt platziert sind, spazieren sie durch die Tunnel und hinterlassen ihre Fussabdrücke. Diese ermöglichen die Bestimmung der Tiere. Oft laufen die Tiere jedoch nicht in einer geraden Linie durch die Tunnel, sondern drehen und wenden sich, was ein ziemliches Durcheinander von Fussspuren hinterlässt. 

Die Tunnel wurden an verschiedensten Standorten im ganzen Kanton Graubünden aufgestellt. Während die Freiwilligen jeweils zehn standardisierte Tunnel platzierten, stellte bei den Schulklassen jeder Schüler und jede Schülerin ihren eigenen, aus Tetrapack gebastelten Tunnel auf. Wer mehr über Gartenschläfer erfahren wollte, ohne selbst aktiv am Projekt teilzunehmen, konnte das an unseren Standaktionen, Vorträgen oder Exkursionen.  

Erlebnisbericht Exkursion «Pfotenabdrücke, Fallen und Blitz - Gartenschläfer & Co. gesucht» im Val Bregaglia  

Am zweiten Septemberwochenende machen wir uns in Casaccia im Val Bregaglia mit der Biologin Marta Wastavino und einer Gruppe von 12 Personen auf die Suche nach Gartenschläfern. Lebendfallen, Spurentunnel und Fotofallen sollen uns dabei helfen den niedlichen Kobolden auf die Spur zu kommen. 

Gut drei Wochen vor der Exkursion stellen wir dafür zehn Spurentunnel und drei Fotofallen entlang der Exkursionsroute auf. Sorgfältig wählen wir im Wald und in Waldweiden geeignete Standorte für die Tunnel und Kleinsäugerfotofallen. Auf horizontal verlaufenden Ästen, umgestürzten Baumstämmen, Felsblöcken und Steinmauern befestigen wir die Tunnel mit Steinen, Schnur oder Klebeband. Die Fotofallen sichern wir jeweils mit einem Schloss an einem Baum. Um die Gartenschläfer in die Fotofallen-Boxen zu locken, platzieren wir etwas Schinken und Erdnussbutter darin. Am Vortag der Exkursion begeben wir uns abermals ins Exkursionsgebiet. Ausgerüstet mit einer Spezialbewilligung und 40 Lebendfallen machen wir uns erneut auf die Suche nach geeigneten Standorten. Damit es den gefangenen Tieren bis zur nächsten Fallenkontrolle möglichst an nichts fehlt, geben wir Heu, Früchte, Mehlwürmer, Körner und eine spezielle Hackfleischmischung in jede Falle. Danach platzieren wir die Fallen in Mauerritzen, Asthaufen oder auf Bäumen.  

Am Exkursionsmorgen beeilen wir uns, so schnell wie möglich die Lebendfallen zu kontrollieren. Neben zahlreichen Rötelmäusen Myodes glareolus fangen wir auch vier Gartenschläfer. Die Fotofallen und Spurentunnel sammeln wir einfach nur ein und kontrollieren sie später, um die Fallenkontrolle schneller zum Abschluss zu bringen. Staunend bewundern Teilnehmer und Exkursionsleitung Fang für Fang. Als wir am Ende der Exkursion schlussendlich noch dazu kommen auch die Spurentunnel und Fotofallen zu kontrollieren, stellt sich heraus, dass auch diese beiden Nachweismethoden erfolgreich waren. Mit allen drei Methoden konnten wir Gartenschläfer nachweisen. Die Exkursion bleibt mir und bestimmt auch allen Teilnehmenden als ein Höhepunkt im Gartenschläfer-Projekt in Erinnerung.  

(Josia Orlik und Alena Kvapil)

Was passiert mit den gesammelten Daten?

Die gesammelten Daten der Schulklassen, Freiwilligen und von den Exkursionen werden der Forschungsgemeinschaft CSCF (Schweizerisches Zentrum für die Kartografie der Fauna) zur Verfügung gestellt. Ausserdem werden die Daten Pro Natura-intern ausgewertet. In ausgewählten Gebieten können anschliessend Massnahmen zur Lebensraumaufwertung angestrebt werden. 

Haben Sie einen Gartenschläfer beobachtet? Sichtmeldungen sind wertvolle Daten und können Pro Natura Graubünden (@email) oder über www.wildenachbarn.ch/melden gemeldet werden. 

Projektleiter Spechte & Co.
Josia Orlik
@email
081 511 64 14

Praktikantin
Alina Bonorand
@email
081 511 64 17



Kleinsäugerfotofalle

Kleinsäugerfotofalle
In dieser Kleinsäugerfotofalle konnten Gartenschläfer (Eliomys quercinus), Rötelmäuse (Myodes glareolus), Alpenspitzmäuse (Sorex alpinus) und Waldmäuse (Apodemus sp.) nachgewiesen werden.

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